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  • Yuliia Hryhorovych

Das Studienjahr 2022/23 an der Nationalen Iwan-Franko-Universität Lwiw: Erinnerungen & Eindrücke 1

Aktualisiert: 7. Juli 2023

Ich gehe den Korridor meiner Fakultät entlang und sehe kaum Studenten. Alle sind bereits zu Hause und bereiten sich auf die Prüfungen vor. Ich frage mich, wie das Ende des akademischen Jahres für die Studenten meines Studiengangs aussieht.


Ich bin Studentin im zweiten Studienjahr mit den Fachrichtungen zweisprachige Übersetzung und interkulturelle Kommunikation. Dieses Jahr studiere ich in einem Mischformat. Wir besuchen Vorlesungen online, während die Fremdsprachenstunden und Seminare an der Universität stattfinden. Die meisten Studierenden, die wegen des russisch-ukrainischen Krieges im Ausland waren, sind nach Hause zurückgekehrt. Diejenigen, die im Ausland bleiben, studieren meist nach einem individuellen Plan. Einige unserer Studierenden verbrachten auch ein Semester an europäischen Universitäten im Rahmen des Erasmus+-Programms.


Die Studierenden des 1. und 2. Studienjahres studierten in der ersten Schicht, die Studierenden des 3. und 4. Studienjahres aus Sicherheitsgründen in der zweiten Schicht, damit nicht zu viele Studierende gleichzeitig an der Universität waren. Hier stellt sich die Frage: Wie studieren wir in Kriegszeiten?


Da es in Lwiw keine aktiven Kampfhandlungen gibt, war das Schlimmste, was passieren konnte, ein Luftalarm mit der Möglichkeit von Raketenbeschuss. Glücklicherweise gibt es an der Universität gut ausgestattete Schutzräume, in denen fast jeder Platz findet. Während des Luftangriffs wurde der Unterricht (sowohl offline als auch online) unterbrochen und alle gingen gemeinsam in den Schutzraum. Manchmal gab es Meldungen über Zeitbomben, und jedes Mal wurden die Studierenden auf organisierte Weise evakuiert. Man kann sagen, dass wir an solche Notfälle gewöhnt sind, sodass es in der Regel weder zu übermäßiger Panik noch zu Chaos kommt.


Was sagen die Studierenden selbst? Ich habe eine Umfrage unter den Studierenden meines Fachbereichs durchgeführt, um herauszufinden, wie dieses Studienjahr für sie war. Auf die Frage «War Ihrer Meinung nach der Lernprozess während des Krieges gut organisiert?» antworteten mehr als 50 % mit «Ja», während der Rest der Studierenden Schwierigkeiten hatte, diese Frage zu beantworten. Die Lieblingsfächer der meisten Studierenden sind Erste Fremdsprache (Deutsch), Zweite Fremdsprache (Englisch), Grundlagen der Übersetzung und Gattungstheorien der Übersetzung. Die Studienanfänger nannten auch einige nicht-übersetzerische Kurse, wie Einführung in die Literaturwissenschaft, Interpretation von Zeitungs- und journalistischen Texten und die lateinische Sprache. Was sind die schönsten Erinnerungen der Studierenden an dieses schwierige Studienjahr? Hier sind einige der Antworten:

«Im ersten Semester erinnere ich mich am meisten an den Deutschunterricht. Er verlief immer reibungslos, leicht wie in einem freundschaftlichen Familienkreis.»

«Badminton im Sportunterricht.»

«Ich habe ein paar coole Leute getroffen.»

«Als ich alle meine Prüfungen und Tests bestanden habe.»

«Fremdsprachenunterricht an der Universität, da er einer der Gründe war, Gruppenkameraden zu sehen und mit ihnen zu kommunizieren. Außerdem war es durch den direkten Blickkontakt viel angenehmer, mit den LehrerInnen zu kommunizieren, da der Fremdsprachenunterricht eine aktive Zusammenarbeit mit den Studierenden und interaktive Aufgaben beinhaltet.»

«Sprachklub mit Markus Peuser von Start Deutsch.»


Dank der Gewerkschaft der Studierenden der Fakultät für Fremdsprachen fanden während des akademischen Semesters viele interessante Veranstaltungen statt. Dazu gehören ein literarischer Abend, ein Treffen mit dem Dekan, eine wohltätige Buchversteigerung für ein Tierheim, Sprachklubs mit Japanern, Italienern und Amerikanern, psychologisches Training, Stand-up-Comedy und eine Wohltätigkeitsveranstaltung für die Bedürfnisse der ukrainischen Armee. Darüber hinaus war die Universität Gastgeberin eines Treffens mit dem Präsidenten der Ukraine und eines Minensicherheitstrainings, an dem auch Studenten unserer Fakultät und unseres Fachbereichs teilnahmen.


Aber wir sprechen nicht nur von der Universität... Wie sieht es mit der Freizeit der Studierenden aus? Was machen die Studierenden, nachdem sie die Universität besucht und ihre Hausaufgaben gemacht haben? Hier sind die Antworten:

«Ich lese Bücher und arbeite. Ich bin auch ein aktiver Freiwilliger in einer Nichtregierungsorganisation.»

«Ich gehe in den Sportkomplex, arbeite als Nachhilfelehrer und schaue Filme».

«Normalerweise gehe ich mit Freunden ins Theater oder ins Kino.»

«Ich webe Netze für die ukrainische Armee, gehe abends spazieren, besuche Theater und Konzerte.»

«Keine freie Zeit :) Lernen, arbeiten, arbeiten, lernen.»


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