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  • AutorenbildMyroslava Dolinko

Ich erinnere mich ...

Ich erinnere mich an den Morgen, der mit der Nachricht vom Krieg begann. Der Morgen, der alles in „vorher“ und „nachher“ einteilte. Alles, was ich nur in Geschichtsbüchern gelesen und in Kriegsfilmen gesehen hatte, wurde zu unserer Realität. Alles, was ich im 21. Jahrhundert für unmöglich hielt, ist wahr geworden. Nachrichten über Tote, Verletzte, über zynische Verbrechen gegen friedliche Menschen und Tausende von zerbrochenen Leben – das alles wurde zum Alltag. Ehrlich gesagt, hoffe ich immer noch, dass alles nur ein Albtraum ist.

Ich kann mich nicht an das Leben vor dem Krieg erinnern. Manchmal kommt es mir so vor, als wäre das schon immer so gewesen. Wie alle Ukrainer, blieb ich noch am 24. Februar.

Es hat sich vieles verändert. Man begann, die Welt anders zu betrachten. Alles, was man für wichtig hielt, hat seinen Wert verloren. Alle Alltagsprobleme erscheinen jetzt unbedeutend. Der Glaube an die Welt, in der die gezielte Zerstörung einer ganzen Nation möglich ist, ist schlagartig verschwunden. Nur der Glaube an die Ukraine wird immer stärker.

Ich hatte mehr Glück als ein Großteil meiner Mitbürger. Ich bin in Sicherheit. Die Besatzer gehen nicht auf meiner Straße, über mein Haus fliegen keine Raketen, ich habe alles, was man für ein gewöhnliches Leben braucht, außer Frieden. Das Wissen um zerstörte Dörfer und Städte, brutale Morde und Folter, getrennte Familien und Zwangsumsiedlungen lässt sich schwer mit der üblichen Routine vereinbaren.

Es ist auch schwierig, die Gleichgültigkeit der Welt zu akzeptieren. Ich weiß nicht, seit wann Menschenleben für die Welt weniger wichtig sind als materieller Gewinn. Aber vielleicht waren solche Prioritäten schon immer hinter hochgepriesenen Werten verborgen. Die Werte, die uns immer beigebracht wurden, sehen jetzt erbärmlich und heuchlerisch aus. Tiefe Besorgnis auszudrücken, anstatt echte Hilfe zu leisten, ist gleichbedeutend mit Komplizenschaft bei einem Verbrechen. Aber für einige ist es immer noch unklar.


Auf der anderen Seite kann man viel Unterstützung, Hilfe und Vereinigung der Menschen aus der ganzen Welt im Kampf gegen das Böse fühlen. Dafür werden wir immer dankbar sein. In schwierigen Zeiten ist es leicht zu verstehen, wer wer ist, aber der Preis dafür ist zu hoch.

Ich glaube, dass nach der Dunkelheit immer das Licht kommt. Ich glaube an den Sieg des Guten über das Böse, der Wahrheit über die Lügen, moralischer Werte über Zynismus, des Patriotismus über imperiale Ambitionen. Ich bin vom Sieg der Ukraine über Russland felsenfest überzeugt. Es kann nicht anders sein.

Der Schlüssel zu meinem Glauben sind die heldenhaften Menschen. Diejenigen, die zu Kundgebungen in besetzten Städten gehen, diejenigen, die mit bloßen Händen Panzer anhalten, diejenigen, die den Frieden auf Kosten ihres Lebens verteidigen, diejenigen, die im Hintergrund alles tun, um zu gewinnen, geben mir starkes Vertrauen in eine friedliche Zukunft.

Eines Tages werden wir in einem friedlichen, freien Land aufwachen. In einem Land, in dem keine feindlichen Panzer durch die Straßen fahren, in dem kein Luftalarm und keine Explosionen zu hören sind, in dem Kinder nicht in Kellern geboren werden und in dem die Menschen sich sicher fühlen. Die Gerechtigkeit wird wiederhergestellt und das Böse bestraft. Die Menschen werden in ihre friedlichen Häuser zurückkehren, verbrannte feindliche Fahrzeuge werden von den Straßen entfernt, zerstörte Häuser werden wieder aufgebaut. Leider kann nicht alles zurückgegeben und repariert werden. Und den Preis des Friedens darf man nie vergessen.

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