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  • AutorenbildKhrystyna Vladyka

Der nächste Tag wird alles verändern

23 Februar. Meine Freunde und ich feiern den Geburtstag unserer gemeinsamen Freundin. Niemand hat eine Vorstellung davon, dass der nächste Tag alles verändern wird.


Am fürchterlichsten Tag, am 24. Februar, ungefähr um 5 Uhr höre ich, wie meine Nachbarin etwas laut sagt. Wir sollten an diesem Tag zur Arbeit gehen und ich habe gedacht, dass sie vielleicht vergessen hat, etwas zu machen. Und wie habe ich mich geirrt. Sie hat es wiederholt und gesagt “Vielleicht hat der Krieg wirklich begonnen”. Ich habe ihr nicht geglaubt und einfach gesagt, dass es Unsinn sei. Aber sie teilte mir die Nachrichten ihrer Kommilitonen, die aus dem südlichen Teil der Ukraine sind, mit. Sie weinten und beschrieben, wie eine Rakete über ihre Häuser flog. Ich habe sofort die offiziellen Nachrichten überprüft und dieselben Informationen gelesen. Meine Hände begannen zu zittern, ich fing an zu weinen und konnte einfach nicht glauben, dass das unsere Realität ist. Ehrlich gesagt, möchte ich es bis jetzt nicht glauben. An diesem Tag wusste niemand, wie lange das alles dauern wird. Im Februar habe ich viel darüber gesprochen, aber habe das alles nicht wirklich wahrgenommen. Ich dachte, dass all diese Waffen an der ukrainischen Grenze nur dort standen, um uns damit Angst zu machen, einfach als Manipulation. Ich sollte sogar mit meinem Freund im März nach Kyjiw fahren. Jetzt denken wir daran, was passiert wäre, wenn der Krieg an diesem Tag begonnen hätte…


Früher habe ich viel über Krieg gehört, gelesen, ich interessiere mich für die Geschichte der Ukraine und der Welt, auch für Politik. Ich habe viele Fotos aus früheren Zeiten gesehen und viel Fürchterliches gelesen, aber das war irgendwo weit weg. Als der Krieg das Leben meiner Menschen und mein eigenes Leben infrage stellte, haben sich hässliche und gemischte Gefühle innerlich breitgemacht, die ich nicht in Worte fassen kann. Jeden Tag lese ich neue hässliche Geschichte, die die Ukrainer erlebt haben und immer wieder erleben, man kann es kaum glauben, dass solche Dinge in unserer Welt passieren können. Es ist unmöglich, ohne Tränen zu lesen. Menschen haben ihre ganze Familie verloren, Leute und Kinder, die glücklich gelebt und nichts Schlechtes gemacht haben, sterben. Warum? Weil sie Ukrainer sind. Das ist Völkermord. Ein fürchterliches Wort. Die Geschichte wiederholt sich. Und vielleicht ist es die letzte Chance, die Schuldigen zu bestrafen, damit es auf der Welt nie wieder passiert. Leider müssen wir jetzt lernen, in dieser Realität zu leben. Schon jetzt haben sich unsere Leben verändert. Meine Freunde und ich sind jetzt in Deutschland, wir haben schon ein paar Jobs während dieser Zeit gewechselt, weil unsere Eltern ihre Jobs verloren haben, nur eine Person in unseren Familien verdient jetzt Geld. Deshalb haben wir uns entschieden, ins Ausland zu gehen, damit wir unseren Eltern helfen können. Meine zwei Schwestern sind auch nicht in einer besseren Situation, eine ist in der 11. Klasse, sie macht eine Ausbildung und möchte weiter an der Uni studieren. Aber jetzt weiß niemand, wie es mit Prüfungen und der Ausbildung weitergeht. Meine jüngere Schwester ist in der ersten Klasse und sie lernt im Fernunterricht, was auch eine große Herausforderung für meine Eltern und für sie ist. Wir wissen nicht, wie es weitergeht, man muss sich bemühen, weiter zu leben, soweit es möglich ist. Das Wichtigste ist jetzt sicher, lebendig und gesund zu sein. Nicht zu vergessen, unserer Armee und unseren Landsleuten, die diesen Krieg mit ihren eigenen Augen sehen, zu helfen. Es ist jetzt sehr wichtig, zu vereinen und zu unterstützen. In dieser schweren Zeit verstehst du, wie wertvoll die einfachen Dinge sind, wie stark du die Menschen lieben und hassen kannst, dass dein “Zuhause” nicht nur eine Stadt ist, sondern die ganze Ukraine. Jetzt versteht man, dass wir gar nicht gewusst haben, wie glücklich wir waren. Beten und daran glauben, dass das Gute das Böse besiegen wird, und die Ukraine und die Ukrainer wieder glücklich, ohne Tränen und Blutvergießen weiter leben werden.


(Familien-Gruppenchat)

*Mutter hat mich viele Male angerufen*

Ich:

- Alles gut

- Es gibt einfach keine Verbindung im Keller

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